Schallabsorberklassen A–E: Klassifizierung nach ISO 11654

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Schallabsorberklassen

sind standardisierte Kategorien, die die akustische Wirksamkeit von Schallabsorbern auf einer einheitlichen Skala beschreiben. Die Einteilung erfolgt nach der europäischen Norm ISO 11654 anhand des bewerteten Schallabsorptionsgrads αw und ermöglicht einen schnellen, produktübergreifenden Vergleich von Absorbermaterialien und -elementen.

Grundlage: Der bewertete Schallabsorptionsgrad αw

Die Wirksamkeit eines Schallabsorbers ist frequenzabhängig: Ein Material kann tiefe Töne kaum dämpfen, hohe Frequenzen jedoch sehr effektiv absorbieren – oder umgekehrt. Um dennoch einen einzigen, vergleichbaren Kennwert zu erhalten, wird der frequenzabhängige Schallabsorptionsgrad α zu einem Einzahlwert zusammengefasst: dem bewerteten Schallabsorptionsgrad αw.

Dieser Wert wird nach einem definierten Verfahren aus Messungen in Oktav- oder Terzbändern ermittelt und liegt zwischen 0 und 1. Ein αw von 0 bedeutet vollständige Reflexion, ein αw von 1 bedeutet vollständige Absorption. In der Praxis erreichen selbst hochwertige Absorber selten den theoretischen Maximalwert von 1,00 – Werte über 0,90 gelten bereits als sehr hoch.

Auf Basis dieses Einzahlwerts ordnet die ISO 11654 jeden Absorber einer von fünf Schallabsorberklassen zu.

Die fünf Schallabsorberklassen im Überblick

Die ISO 11654 definiert die Schallabsorberklassen A bis E. Je früher der Buchstabe im Alphabet, desto höher die Absorptionswirkung:

  • Klasse A (αw ≥ 0,90): Höchste Absorptionswirkung. Materialien dieser Klasse schlucken nahezu den gesamten auftreffenden Schall. Typische Anwendungen: Tonstudios, Konferenzräume mit hohen Anforderungen, Sprachaufnahmeräume.
  • Klasse B (αw 0,80–0,85): Sehr gute Absorption. Geeignet für anspruchsvolle Büroumgebungen, Unterrichtsräume und Räume mit erhöhtem Sprachverständlichkeitsbedarf.
  • Klasse C (αw 0,60–0,75): Gute Absorption. Häufig eingesetzte Klasse in Großraumbüros, Gastronomie und öffentlichen Gebäuden, wo eine deutliche Nachhallreduzierung angestrebt wird.
  • Klasse D (αw 0,30–0,55): Mäßige Absorption. Einsatz dort, wo eine leichte akustische Verbesserung ausreicht oder Absorber ergänzend zu anderen Maßnahmen eingesetzt werden.
  • Klasse E (αw 0,15–0,25): Geringe Absorption. Materialien mit schwacher Absorptionswirkung; in der Praxis selten als primäre Akustikmaßnahme eingesetzt.

Materialien mit einem αw unter 0,15 werden keiner Klasse zugeordnet und gelten akustisch als nicht klassifiziert.

Hinweis zur Interpretation der Klassen

Die Schallabsorberklasse beschreibt die Gesamtwirksamkeit eines Absorbers als Einzahlwert – sie gibt keine Auskunft über das frequenzspezifische Verhalten. Zwei Produkte derselben Klasse können sich in ihrer Wirkung bei tiefen oder hohen Frequenzen erheblich unterscheiden. Für eine präzise Raumakustikplanung sollten daher stets die vollständigen Absorptionskurven herangezogen werden.

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Wie wird die Schallabsorberklasse ermittelt?

Die Klassifizierung basiert auf Labormessungen nach ISO 354, bei denen der Schallabsorptionsgrad eines Materials in einem Hallraum bei verschiedenen Frequenzen gemessen wird. Aus diesen Messwerten wird nach dem in ISO 11654 beschriebenen Verfahren der bewertete Schallabsorptionsgrad αw berechnet und anschließend der entsprechenden Klasse zugeordnet.

Zusätzlich zum αw-Wert können sogenannte Formfaktoren (L = Low, M = Mid, H = High) angegeben werden. Sie zeigen an, ob ein Absorber im Vergleich zur Referenzkurve bei tiefen, mittleren oder hohen Frequenzen besonders stark oder schwach wirkt. Diese Zusatzinformation ist für die Feinplanung relevant, wird aber nicht immer in Produktdatenblättern ausgewiesen.

Bedeutung der Schallabsorberklassen für die Planung

Die Schallabsorberklasse ist ein zentrales Auswahlkriterium bei der Planung von Raumakustikmaßnahmen. Sie erlaubt eine schnelle Vorselektion geeigneter Produkte und erleichtert die Kommunikation zwischen Planern, Architekten und Herstellern.

In der Praxis orientiert sich die Wahl der Schallabsorberklasse an mehreren Faktoren:

  • Nutzungsanforderungen: Räume mit hohen Anforderungen an Sprachverständlichkeit – etwa Konferenzräume, Klassenräume oder Hörsäle – benötigen in der Regel Absorber der Klassen A oder B. In Großraumbüros oder Kantinen sind Klasse B und C häufig ausreichend.
  • Raumvolumen und Geometrie: Große Räume mit harten, reflektierenden Oberflächen erfordern eine höhere Absorptionsleistung als kleinere, bereits teilweise gedämpfte Räume.
  • Verfügbare Montagefläche: Wenn nur begrenzte Fläche für Absorber zur Verfügung steht, kann eine höhere Absorberklasse die geringere Fläche teilweise kompensieren.
  • Normvorgaben: Die DIN 18041 (Hörsamkeit in Räumen) gibt Zielwerte für die Nachhallzeit in Abhängigkeit von Raumvolumen und Nutzungsart vor. Diese Zielwerte bestimmen, welche Absorptionsleistung insgesamt erforderlich ist.

Schallabsorberklassen und äquivalente Absorptionsfläche

In der Raumakustikberechnung wird die Wirksamkeit von Absorbern über die äquivalente Absorptionsfläche A ausgedrückt, die sich aus dem Produkt von Absorptionsgrad und Fläche ergibt. Ein Absorber der Klasse A mit αw = 0,95 erzeugt bei gleicher Montagefläche eine deutlich größere äquivalente Absorptionsfläche als ein Produkt der Klasse C mit αw = 0,65.

Für die Nachhallzeitberechnung nach der Sabine-Formel ist die Summe aller äquivalenten Absorptionsflächen im Raum entscheidend – unabhängig davon, ob diese durch wenige hochabsorbierende oder viele mittelabsorbierende Elemente erreicht wird. Die Schallabsorberklasse ist damit ein wichtiger, aber nicht der einzige Planungsparameter.

Schallabsorberklassen in der Produktauswahl

Bei der Auswahl konkreter Produkte sollte die Schallabsorberklasse stets im Zusammenhang mit weiteren Eigenschaften betrachtet werden:

  • Frequenzverhalten: Wie verhält sich der Absorber bei tiefen Frequenzen (unter 500 Hz)? Poröse Absorber ohne ausreichende Materialstärke oder Wandabstand können hier Schwächen zeigen.
  • Montageart: Die Absorberklasse wird unter definierten Laborbedingungen gemessen. Eine Abstandsmontage mit Luftspalt zur Wand kann die Tieftonabsorption in der Praxis verbessern und den effektiven αw-Wert beeinflussen.
  • Brandschutz: Gerade in öffentlichen Gebäuden gelten strenge Anforderungen an die Brandschutzklasse von Absorbermaterialien. Diese ist unabhängig von der Schallabsorberklasse zu prüfen.
  • Oberflächenbeschaffenheit: Textile Bezüge, perforierte Platten oder offenporige Schäume beeinflussen sowohl die Akustik als auch die Pflegbarkeit und Optik.

YDOL-Produkte wie die Absorber der RELAX Collection werden mit Angabe des bewerteten Schallabsorptionsgrads αw ausgeliefert, sodass eine Einordnung in die entsprechende Schallabsorberklasse direkt möglich ist.

Fazit: Schallabsorberklassen als Orientierungshilfe

Die Schallabsorberklassen A bis E nach ISO 11654 bieten eine standardisierte, vergleichbare Grundlage für die Auswahl und Planung von Schallabsorbern. Sie ermöglichen eine schnelle Einschätzung der akustischen Wirksamkeit eines Produkts und erleichtern die Kommunikation in der Planungspraxis.

Für eine fundierte Raumakustikplanung reicht die Schallabsorberklasse allein jedoch nicht aus: Das frequenzspezifische Absorptionsverhalten, die Montagebedingungen und die Anforderungen der jeweiligen Nutzung müssen stets in die Gesamtbetrachtung einfließen. Wer diese Parameter von Beginn an berücksichtigt, legt die Grundlage für eine akustisch wirksame und dauerhaft funktionierende Lösung.

Eva Herwig

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