DIN EN ISO 3382-3: Akustik-Norm für Großraumbüros

Die DIN EN ISO 3382-3 ist ein internationaler Messstandard, der Verfahren zur akustischen Charakterisierung von Großraumbüros normiert. Sie ist Teil der ISO-3382-Normenreihe und ergänzt die allgemeinen Messverfahren für Nachhallzeit (Teil 1 und 2) um Kenngrößen, die speziell auf die Schallausbreitung in offenen, nicht durch Vollwände unterteilten Büroflächen ausgerichtet sind.

Einordnung in die ISO-3382-Normenreihe

Die ISO-3382-Reihe umfasst drei Teile mit unterschiedlichen Anwendungsbereichen:

ISO 3382-1 beschreibt Messverfahren für die Nachhallzeit in Konzertsälen und anderen großen Räumen mit hohen akustischen Anforderungen.

ISO 3382-2 definiert vereinfachte Messverfahren für die Nachhallzeit in gewöhnlichen Räumen – etwa Büros, Klassenräume oder Konferenzräume.

ISO 3382-3 adressiert als eigenständiger Teil die besonderen akustischen Verhältnisse in Großraumbüros. Hier steht nicht die Nachhallzeit allein im Vordergrund, sondern die räumliche Schallausbreitung zwischen Arbeitsplätzen – ein Phänomen, das mit der klassischen Nachhallzeitmessung allein nicht ausreichend beschrieben werden kann.

Warum braucht das Großraumbüro eine eigene Norm?

In einem Großraumbüro gelten andere akustische Gesetzmäßigkeiten als in einem geschlossenen Einzelbüro oder einem Konferenzsaal. Die Raumhöhe ist im Verhältnis zur Grundfläche gering, Trennwände fehlen oder sind nur niedrig ausgeführt, und die Schallquellen – Gespräche, Telefonate, Tastaturgeräusche – sind gleichmäßig über die Fläche verteilt.

Entscheidend ist hier nicht nur, wie lange der Schall im Raum nachhallt, sondern vor allem, wie schnell der Schallpegel mit zunehmendem Abstand zur Quelle abnimmt. Klingt ein Gespräch am Nachbarschreibtisch noch deutlich verständlich, obwohl es mehrere Meter entfernt stattfindet, leidet die Konzentration der übrigen Mitarbeitenden erheblich. Die DIN EN ISO 3382-3 stellt genau für diese Fragestellung geeignete Messgrößen bereit.

Kenngrößen der DIN EN ISO 3382-3

Die Norm definiert mehrere Kenngrößen, die gemeinsam ein differenziertes Bild der akustischen Qualität eines Großraumbüros ergeben:

Distanzabfall D2,S (Spatial Decay Rate):
Dieser Wert beschreibt, um wie viele Dezibel der A-bewertete Schalldruckpegel pro Entfernungsverdopplung abnimmt. Ein hoher D2,S-Wert bedeutet, dass Schall mit zunehmender Entfernung schnell leiser wird – was für die akustische Privatsphäre am Arbeitsplatz vorteilhaft ist.

Ablenkungsdistanz rD:
Die Ablenkungsdistanz gibt an, ab welchem Abstand zur Schallquelle der Schallpegel unter einen definierten Störschwellenwert fällt. Sie ist ein direktes Maß dafür, wie weit eine Gesprächsquelle im Büro störend wahrnehmbar ist.

Sprachübertragungsindex STI (Speech Transmission Index):
Der STI bewertet die Qualität der Sprachübertragung zwischen zwei Punkten. In der DIN EN ISO 3382-3 wird er genutzt, um zu beurteilen, wie gut Sprache an einem bestimmten Empfangsort noch verständlich ist – ein Maß für die akustische Privatsphäre.

Nachhallzeit T:
Auch die Nachhallzeit wird im Rahmen der Messungen nach ISO 3382-3 erfasst, jedoch als ergänzende Größe. Sie allein reicht zur Beurteilung der Großraumbüroakustik nicht aus.

Hinweis zur Abgrenzung von DIN 18041

Die DIN EN ISO 3382-3 ist eine Messnorm – sie legt fest, wie gemessen wird. Die DIN 18041 (Hörsamkeit in Räumen) hingegen ist eine Planungsnorm, die Zielwerte für verschiedene Nutzungskategorien vorgibt. Beide Normen ergänzen sich in der Praxis: Messungen nach ISO 3382-3 liefern die Grundlage, um zu beurteilen, ob die Anforderungen der DIN 18041 erfüllt sind.

Messverfahren und Durchführung

Die Messung nach DIN EN ISO 3382-3 erfolgt mit einer definierten Schallquelle – typischerweise einem omnidirektionalen Lautsprecher – und einem kalibrierten Messmikrofon. Die Schallquelle wird an einer repräsentativen Arbeitsplatzposition aufgestellt, das Mikrofon in festgelegten Abständen entlang einer Messlinie positioniert.

Gemessen wird der A-bewertete äquivalente Dauerschallpegel an mehreren Messpunkten mit zunehmendem Abstand zur Quelle. Aus den Pegelwerten wird der Distanzabfall D2,S berechnet. Zusätzlich werden STI-Werte an ausgewählten Empfangspunkten ermittelt.

Die Norm legt Anforderungen an die Messumgebung fest: Das Büro soll im typischen Betriebszustand gemessen werden – also mit vorhandener Möblierung, Trennwänden und Bodenbelag, aber ohne Personen. Hintergrundgeräusche müssen dokumentiert und bei der Auswertung berücksichtigt werden.

Bedeutung für Planung und Optimierung

Für Architekten, Innenarchitekten und Akustikplaner liefert die DIN EN ISO 3382-3 ein belastbares Instrumentarium zur Beurteilung und Verbesserung der Großraumbüroakustik. Messungen vor und nach einer akustischen Sanierung machen den Erfolg von Maßnahmen objektiv nachvollziehbar.

Typische Maßnahmen zur Verbesserung der Kennwerte nach ISO 3382-3 sind:

  • Großflächige Deckenabsorber, die den Direktschall zwischen Arbeitsplätzen dämpfen
  • Tischtrennwände mit absorbierender Oberfläche, die den Nahfeldschall abschirmen
  • Wandabsorber an den Raumgrenzen, die Reflexionen von harten Flächen reduzieren
  • Bodenbeläge mit ausreichender Absorption im Hochtonbereich

YDOL bietet Schallabsorber für Decke und Wand an, die gezielt zur Verbesserung der akustischen Kenngrößen in Großraumbüros eingesetzt werden können – darunter textile Absorberelemente der RELAX Collection mit Bezügen aus reiner Merinowolle.

Fazit: DIN EN ISO 3382-3 als Grundlage für Büroakustik

Die DIN EN ISO 3382-3 schließt eine wichtige Lücke in der akustischen Normung: Sie stellt praxisgerechte Messverfahren bereit, die der besonderen Schallausbreitungssituation in Großraumbüros gerecht werden. Kenngrößen wie der Distanzabfall D2,S, die Ablenkungsdistanz rD und der Sprachübertragungsindex STI ermöglichen eine differenzierte Beurteilung der akustischen Qualität – weit über die Nachhallzeit hinaus. Für alle, die Großraumbüros planen, sanieren oder bewerten, ist die Norm ein unverzichtbares Referenzdokument.


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